CI/CD-Grundlagen in der Praxis

Kontinuierliche Integration und Auslieferung (CI/CD) sorgen für verlässliche, wiederholbare Releases. Dieses Infodokument erklärt pragmatische Grundlagen und typische Stolpersteine – als zusammenhängender Erfahrungsbericht aus Kundenprojekten.

Stand: 12/2025

Porträt von Lukas Niekum

Lukas Niekum

Geschäftsführer XAPINEX GmbH – Unternehmensberatung & Softwareentwicklung

Warum CI/CD mehr ist als „schnell deployen“

Die meisten Teams wünschen sich vor allem schnellere Releases. In der Praxis geht es jedoch weniger um Tempo, sondern um Vorhersagbarkeit. Eine Pipeline ist gut, wenn sie heute und in drei Monaten dasselbe Verhalten zeigt: identische Builds, reproduzierbare Tests, nachvollziehbare Freigaben. Das entlastet das Team, weil Diskussionen über Nebensächlichkeiten wegfallen und der Fokus wieder auf das Produkt wandert.

CI/CD ist daher eine Sammlung aus klaren Entscheidungen: Wo wird gebaut? Wer darf was freigeben? Welche Qualitätsschwellen müssen erfüllt sein? Alle Antworten müssen im System abgebildet sein – schriftlich und automatisiert.

Bausteine einer soliden Pipeline

Unabhängig von Tooling (GitHub Actions, GitLab CI, Azure DevOps, Jenkins) begegnen mir immer wieder dieselben Bausteine:

Reproduzierbare Builds: Abhängigkeiten werden festgepinnt, der Build ist deterministisch. Container-Images oder Build-Caches beschleunigen, ohne das Ergebnis zu verändern.

Automatisierte Tests mit sinnvoller Tiefe: Unit‑Tests fangen die Breite ab, Integrations‑ und e2e‑Tests prüfen die Schnittstellen. Nicht alles muss „vollständig“ sein – wichtiger ist Stabilität und Aussagekraft.

Saubere Secrets-Verwaltung: Keine Geheimnisse im Repo. Stattdessen zentrale Secret Stores, klarer Zugriff, Rotation dokumentiert.

Promotion-Strategie: Artefakte wandern von dev über staging nach production. Wichtig: Das Artefakt bleibt gleich, nur die Umgebung ändert sich.

Rollback und Observability: Ohne Metriken und Logs ist jeder Rollback blind. Feature Flags und Datenbank-Migrationsstrategie gehören dazu.

Ein typischer Weg: vom manuellen Release zur Pipeline

In kleinen Unternehmen startet vieles manuell: „Jemand“ baut lokal, kopiert per SFTP auf den Server und hofft, dass alles läuft. Der erste Schritt ist immer gleich: Den Prozess sichtbar machen. Wir schreiben auf, was heute passiert – und bauen diese Schritte eins zu eins in die CI ein. Erst wenn das stabil läuft, optimieren wir.

Das hat zwei Vorteile: (1) Die Pipeline fühlt sich nicht fremd an, (2) der Lerneffekt ist hoch, weil das Team den Übergang versteht. Danach kürzen wir: Caches, parallele Jobs, Testpyramide, Infrastruktur‑as‑Code, Qualitäts-Gates. Ergebnis: Weniger Feuerlöschen, mehr Planbarkeit.

Typische Stolpersteine aus der Praxis

Unklare Verantwortung: Wer „besitzt“ die Pipeline? Ohne Zuständigkeit veraltet die Definition, Workarounds schleichen sich ein. Besser: Ein kleines „Build‑Team“ (oft 1–2 Personen) pflegt gemeinsam mit den Devs.

Überkomplexe Stages: Jede Stage muss einen Nutzen haben. Wenn niemand erklären kann, warum sie existiert, gehört sie weg – Komplexität ist ein Kostenfaktor.

Instabile e2e‑Tests: Flaky Tests zerstören Vertrauen. Wir stabilisieren durch bessere Testdaten, Timeouts, Retrys, deterministische Umgebung und eine pragmatische Auswahl von „Happy Paths“.

Manuelle Stopper an kritischen Stellen: „Manual Approvals“ sind okay – solange sie dokumentiert, begründet und messbar sind. Sonst werden sie zur Ausrede, Qualität nicht zu automatisieren.

Konkretes, kleines Startpaket

Für viele Teams funktioniert ein eintägiges Startpaket: Build deterministisch machen, Unit‑Tests in der CI ausführen, Artefakt bauen und versionieren, einfaches Staging‑Deployment hinterlegen. Danach definieren wir gemeinsam die nächsten 2–3 Ausbauschritte.

Was am Ende zählt

Gute CI/CD ist unspektakulär. Releases verlieren ihren „Event‑Charakter“ und werden zur Routine. Das Team weiß, was zu tun ist – und warum. Genau das ist die Grundlage, um neue Features sicher zu liefern.

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